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Im Rahmen des Anti-Agings dienen Hormontherapien einer Vorbeugung oder Linderung von hormonabhängigen Altersveränderungen (vgl. Wechseljahre). Bei Frauen konnte nachgewiesen werden, dass sich durch eine
Hormonersatzbehandlung im statistischen Mittel die Lebenserwartung um etwa 1,5 Jahre verbessern lässt. Zusätzlich bleibt die Frau länger “biologisch jung”. Für Männer stehen entsprechende Langzeiterfahrungen noch
aus.
Hormontherapie bei der Frau
Seit langem schon ist bekannt und wird von vielen Ärzten befürwortet, dass einer Frau die weiblichen Hormone, deren Blutspiegel in den Wechseljahren abfallen, auf unmittelbarem Wege medikamentös
verabreicht werden können, um auf diese Weise einen bevorstehenden Hormonmangel auszugleichen. Positive Effekte einer solchen Hormonbehandlung können sein: Abschwächung oder Verhinderung der diversen Wechseljahrsbeschwerden, Hemmung eines altersabhängigen Fortschreitens der Gefässverkalkung (Atherosklerose), Vorbeugung der atherosklerosebedingten Folgekrankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall, arterielle Verschlusskrankheit), Vorbeugung eines vorzeitigen Knochenabbaus (Osteoporose).
Vorzugsweise werden Präparate gegeben, welche sowohl Östrogen als auch Progesteron enthalten. Es wird diskutiert, dass eine ausschließliche Verabreichung von Östrogenen möglicherweise bei mehrjähriger
Behandlungsdauer bösartige Veränderungen an der Gebärmutter fördern könnte. Diesem unerwünschten Effekt soll das zusätzlich gegebene Progesteron entgegenwirken. Wenn andererseits bei einer Frau die Gebärmutter zuvor
operativ entfernt werden musste, können auch Medikamente eingesetzt werden, die nur Östrogen enthalten.
Eine Alternative zu den vorerwähnten Hormonpräparaten stellen pflanzliche Präparate dar, die ebenfalls oftmals durchaus erfolgreich nachteilige gesundheitliche Auswirkungen der Wechseljahre beeinflussen können. Hier handelt es sich entweder um Präparate, welche pflanzliche Hormone (Phytoöstrogene) enthaltenen, die eine dem menschlichen Östrogen ähnliche Wirkung haben, oder es sind Medikamente mit anderen pflanzlichen Inhaltsstoffen, die symptomatisch Wechseljahrsbeschwerden bessern können (z.B. Wurzelextrakte der Traubensilberkerze, Cimicifuga racemosa). Phytoöstrogene finden sich in Leinsamen, Mais, Karotten, Äpfeln, Hafer, Soja, Rotklee und Hopfen. Als Beispiel eines Phytoöstrogenpräparates sei Menoflavon genannt.
Hormontherapie beim Mann
Im Unterschied zur Frau sind die Erfahrungen einer Behandlung der männlichen Wechseljahre auf dem Wege eines unmittelbaren Hormonersatzes noch sehr begrenzt. Behandlungsversuche mit Östrogenen in niedriger
Dosierung zielen darauf ab, ähnlich wie bei der Frau eine Atheroskleroseprophylaxe zu erreichen und zusätzlich eventuell die Rate an Prostatakrebs und Osteoporose langfristig zu senken. Diese Östrogenbehandlungen
befinden sich allerdings noch im experimentellen Stadium. Testosteronbehandlungen wurden bislang überwiegend bei manifesten Testosteronmangelzuständen durchgeführt, kaum hingegen unter vorbeugenden Aspekten. Hinzu
kommt, dass eine längerfristige Gabe von Testosteron oder auch Östrogen beim Mann zu wesentlichen Nebenwirkungen und Komplikationen führen kann. Aus diesen Gründen sollten bevorzugt andere Behandlungsmethoden
eingesetzt werden, welche auf indirektem Wege die Hormonsituation des alternden Mannes bessern können.
Wie im Kapitel zu dem Wechseljahren dargelegt, wird mit zunehmendem Lebensalter und bei zunehmender Vermehrung des Fettgewebes Testosteron im
Fettgewebe von dem Enzym Aromatase in Östrogen umgewandelt. Folglich kann durch eine Hemmung der Aromatase der Testosteronspiegel erhöht und der Östrogenspiegel verringert werden.
Eine medikamentöse Hemmung der Aromatase ist durch Zink möglich (40 bis 80 mg pro Tag). Neben Zink können auch Eiweiss- und Vitamin B 6-haltige Lebensmittel zu einer Anhebung des Testosteronpiegels beitragen (z.B.
Austern, Weizenkleie, Sesamsamen, Kürbiskerne). Zusätzlich verringert eine Gewichtsreduktion die Wirkung der Aromatase, da dieses Ferment im Fettgewebe lokalisiert ist, welches bei einer erfolgreichen
Gewichtsreduktion abgebaut wird.
Körperliche Aktivität, insbesondere auf Ausdauer ausgerichtetes regelmäßiges körperliches Training, kann den Testosteronspiegel in vielen Fällen auf Dauer um etwa 30 Prozent anheben.
Da in der Leber überschüssiges Östrogen und testosteronbindendes Protein (SHBG) abgebaut werden (vergleiche Kapitel über Wechseljahre), sollte auf leberschädigende Faktoren wie Alkoholkonsum und Einnahme potenziell
leberschädigender Medikamente möglichst verzichtet werden. Zusätzlich kann der Abbau von Östrogen in der Leber durch Gabe von pflanzlichen Östrogenen (Phytoöstrogenen), Brokkoli und Kohl gefördert werden.
Wenn der Blutspiegel des testosteronbindenden Proteins (SHBG) erhöht ist, können die vorerwähnten Maßnahmen in Betracht kommen, die auch die Aktivität der Aromatase hemmen. Zusätzlich können pflanzliche Präparate mit
Extrakten von Sägepalmenfrüchten und Brennesselwurzeln verabreicht werden. Diese Präparate werden in erster Linie zur Behandlung gutartiger Erkrankungen der Vorsteherdrüse (Prostata) eingesetzt, senken allerdings
auch den Blutspiegel des SHBG.
Wenn im Einzelfall eine krankhafte Erniedrigung des Östrogens vorliegen sollte, wären auch in diesem Fall vorzugsweise pflanzliche Östrogene (Phytoöstrogene) einsetzbar.
Sofern im Einzelfall eine Erniedrigung sowohl des Gesamttestosterons als auch des nicht an Eiweiss gebundenen freien Testosterons vorliegen sollte, kann ggf. eine unmittelbare Zuführung von Testosteron zwecks Ersatz
(Substitution) des fehlenden Testosterons in Betracht kommen.
Als milde wirkende pflanzliche Alternative ist Ginseng zu erwähnen, welches als Phytoandrogen dem menschlichen Testosteron ähnelnde Wirkungen hat.
Behandlungsspekte zum Wachstumshormon
Im Kapitel zu den Wechseljahren wurde erläutert, dass mit zunehmendem Alter auch der Blutspiegel des Wachstumshormons kontinuierlich sinkt, wodurch wesentliche Alterungsprozesse in Gang gesetzt werden.
Grundsätzlich ist es möglich, dieses Hormon mittels regelmäßiger Injektionen unmittelbar zuzuführen. Hierzu liegen allerdings ebenfalls nur sehr begrenzte Erfahrungen vor. Zusätzlich ist die Gefahr einer möglichen
Tumorbildung nicht von der Hand zu weisen, da unter der Einwirkung des Wachstumshormons die Vermehrung eventuell vorhandener Krebszellen ebenfalls angeregt werden könnte.
Aus diesen Gründen sollte günstiger und sicherer mittels anderer Substanzen die Produktion des körpereigenen Wachstumshormons angeregt werden. Zu diesem Zweck können verschiedene Aminosäuren einzeln oder in
Kombination verabreicht werden, so z.B. Arginin (4-10 g vor dem Schlafen), Ornithin (2-5 g vor dem Schlafen), Lysin (2-6 g vor dem Schlafen), Glutamin und Glycin (je 2-6 g zur Nacht), Tryptophan (1-2 g zur Nacht).
Tryptophan wird im Organismus zu Serotonin umgewandelt. Dieses wirkt schlaffördernd und antidepressiv. Unterstützt wird die Umwandlung zu Serotonin durch gleichzeitige Gabe von Vitamin B6 (30 mg) und Vitamin C (250
mg).
Präparate mit einer Mischung von Blütenpollen und Gelee Royale, dem Saft, mit dem im Bienenstock die Bienenkönigin gefüttert wird, können ebenfalls die Produktion des Wachstumshormons steigern. Zusätzlich wird
diskutiert, dass der Gelee Royale seinerseits eigene dem Wachstumshormon vergleichbare Wirkungen besitzt.
Weiterhin kann die Produktion des Wachstumshormons durch Vitamin B3 (Niacin / Nikotinsäure / Nikotinamid) angeregt werden (Dosierung um 200-1000 mg zur Nacht).
Niacin senkt zusätzlich die Blutfettspiegel, erhöht aber andererseits die Blutspiegel der Aminosäure Homocystein, welche neuerdings mit einem erhöhten Atherosklerose-Risiko in Verbindung gebracht wird (siehe Kapitel
zur Atherosklerose). Zusätzlich können Hitzewallungen mit Rötung und Überwärmung der Gesichtspartie auftreten (sog. Flush). Unter diesen Aspekten stellt Niacin nicht unbedingt eine Substanz der ersten Wahl dar.
Neuere Präparate bzw. Substanzen zur Steigerung der Wachstumshormonspiegel sind Symbiotropin, GHRP 6 und MK 0677 (nicht in Deutschland erhältlich).
Behandlungsaspekte zum Dehydroepiandrosteron (DHEA)
In den USA wird seit einiger Zeit DHEA in Tablettenform verabreicht, um altersabhängige Mangelzustände dieser Substanz auszugleichen. Langzeiterfahrungen hierzu liegen nicht vor. In Deutschland sind entsprechende
Präparate nicht auf dem Markt.
Weitere Einzelheiten zu DHEA finden sich im Kapitel über die Wechseljahre.
Behandlungsaspekte zum Melatonin
Bei Schlafstörungen sollte angestrebt werden, in einem völlig abgedunkelten Raum zu schlafen. Hierdurch sind optimale Rahmenbedingungen gegebenen, um eine maximale Melatonin-Produktion zu realisieren, da die
Melatonin-Ausschüttung durch Dunkelheit stimuliert und unter Lichteinwirkung gehemmt wird.
Wenn sich hierdurch keine hinreichende Besserung des Schlafs einstellt, kann, zumindest bei Patienten jenseits des 60. Lebensjahres, eine Behandlung mit Melatonin-Tabletten in Erwägung gezogen werden. Melatonin wird
etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen eingenommen, die Wirkung setzt meist nach etwa einer halben Stunde ein. Schwierig kann die Dosisfindung sein. In der Literatur werden Schwankungen zwischen etwa 200 Mikrogramm und 70 Milligramm
angegeben. In den meisten Fällen werden Dosierungen um 0,5 -1,0 mg eingesetzt.
Beschrieben wird weiterhin, dass in der Anfangsphase der Behandlung relativ hohe Dosierungen erforderlich sein können, wohingegen zur Fortführung der Behandlung deutlich niedrigere Dosierungen ausreichen können.
Melatonin darf auf Grund von möglichen Nebenwirkungen nicht eingenommen werden bei Psychosen, Depressionen, Allergien, Autoimmunerkrankungen, multipler Sklerose, bösartigen Krankheiten, in Schwangerschaft und
Stillzeit.
In Deutschland ist Melatonin nicht auf dem Pharma-Markt erhältlich. In Amerika gilt es andererseits als Nahrungsergänzungsmittel, das im Supermarkt gekauft werden kann.
Näheres zu Melatonin wird im Kapitel zu den Wechseljahren ausgeführt.
Sonstige Pflanzenhormone
Genistein und Daidzein
(in Soja und Torfu) hemmen das Wachstum von Krebszellen und können daher möglicherweise in gewissem Grade vor Krebserkrankungen schützen bzw. vorhandene Krebserkrankungen im Fortschreiten bremsen. Zusätzlich werden die Blutfettspiegel (Cholesterin und Trigylceride) günstig beeinflusst. Beide Substanzen zählen zu den Isoflavonen, welche auch östrogenähnliche Eigenschaften besitzen und daher auch den Phytoöstrogenen zugeordnet werden können.
Lycopen (in Tomaten) wirkt ebenfalls als "mildes pflanzliches Chemotherapeutikum" hemmend auf das Wachstum von Krebszellen ein und ist in dieser Hinsicht mit Soja und Torfu vergleichbar.
Die Eicosanoide
Eicosanoide sind Gewebshormone, die für einen ordnungsgemäßen Erhalt des Zellstoffwechsels und der Zellfunktionen von hoher Bedeutung sind. Der Organismus bildet diese Gewebshormone aus den sog. essentiellen
Fettsäuren, die mit der Nahrung zugeführt werden müssen. Als Bausteine dienen vor allem die ungesättigten Fettsäuren, d.h. einfach ungesättigte Fettsäuren und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3-
und Omega-6-Fettsäuren).
Eine ausreichende Versorgung des Organismus mit diesen ungesättigten Fettsäuren ist daher für eine langfristige Gesunderhaltung und Vermeidung chronischer Alterskrankheiten von großer Wichtigkeit. Omega-3-Fettsäuren
finden sich in Seefischen, besonders Lachs, Makrele, Thunfisch, Hering und in pflanzlichen Ölen, besonders konzentriert in Flachsöl (Leinöl). Omega-6-Fettsäuren sind in Mais-, Sonnenblumen- und Erdnussöl sowie
Nüssen enthalten. Einfach ungesättigte Fettsäuren finden sich in Olivenöl, Rapsöl, Avocados und auch Nüssen.
Die mehr als 100 verschiedenen Eicosanoide müssen zur Aufrechterhaltung intakter Zell- und Organfunktionen in ausreichender Konzentration und einem bestimmten und ausgewogenen Verhältnis vorliegen. Stress, Alkohol
und vor allem auch das Blutzucker-senkende Insulin können bei überhöhtem Vorhandensein dieses empfindliche Gleichgewicht der Eicosanoide nachhaltig stören. Hierdurch können frühzeitige Alterungsprozesse und diverse
chronische Organschäden entstehen.
Eine ausreichende Zufuhr ungesättigter Fettsäuren mit der Nahrung dient somit unter Aspekten des Anti-Aging einer Hinauszögerung von Alterungsprozessen und chronischen Organschäden durch Aufrechterhaltung dieser
Gewebshormone in ausreichender Menge und ausgewogenem Verhältnis.
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Prof. Dr. Piper, Meduna-Klinik, 56864 Bad Bertrich, Tel.: 02674 / 182 0, Fax: 02674 / 182
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