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Im Rahmen der vorliegenden Darstellung kann naturgemäss nicht das gesamte Spektrum der naturheilkundlichen Behandlungsmethoden dargestellt werden. Verschiedene, den Naturheilverfahren zugeordnete Therapieverfahren
sind nicht unumstritten; ihre Wirksamkeit und die rationalen Hintergründe ihres Einsatzes sind durchaus kritisch hinterfragbar. Weiterhin ist die Palette der insgesamt zur Verfügung stehenden naturheilkundlichen
Methoden so umfangreich, dass einen Darstellung aller Einzelverfahren den Rahmen des vorliegenden Beitrages sprengen würde.
Im Folgenden sollen daher einige ausgewählte pflanzliche Naturheilmittel aufgegriffen werden, deren Wirksamkeit durch Studien belegt ist, und die im Rahmen eines präventivmedizinischen Gesamtkonzeptes
vorbeugende Wirkungen im Hinblick auf verschiedene alters- und zivilisationsabhängige Erkrankungen zeigen können.
Knoblauch
Knoblauch enthält im Hinblick auf seine pharmakologisch relevanten Inhaltsstoffe Alliin und das Enzym Alliinase. Das Alliin wird unter dem Einfluss der Alliinase nach Aufnahme in den Darm in die eigentlich wirksame
Substanz Allicin umgewandelt. Hieraus folgt, dass nur solche Knoblauch-Präparate wirksam sein können, bei denen sowohl Alliin als auch Alliinase in unversehrter Form und ausreichender Menge vorhanden sind. Diese
Forderung erfüllen nur Präparate, die Knoblauchpulver enthalten. Studienmässig getestet wurden m.W. zwei in Deutschland erhältliche Produkte, die aus diesem Grunde namentlich erwähnt werden sollen, nämlich Kwai und
Sapek.
Allicin wirkt nicht nur als Radikalfänger (vgl. entsprechenden Absatz im Kapitel zur Ernährungstherapie), sondern hat mehrere bemerkenswerte Effekte auf Blut und Gefässe. So wird die Viskosität des Blutes und damit
dessen Fliesseigenschaft verbessert. Weiterhin werden die Aktivitäten der Blutplättchen und der Blutgerinnung gehemmt, die Blutfettspiegel tendenziell gesenkt (um etwa 9-13 %). Zusätzlich wirkt Knoblauch
blutdrucksenkend. Die Pulswellenlaufzeit, die bei Atherosklerose verkürzt ist, verlängert sich unter einer Behandlung mit Knoblauchpräparaten, der periphere Gefässwiderstand wird herabgesetzt. Knoblauch kann daher
in Ergänzung zu anderen Maßnahmen als wirksame Komponente betrachtet werden, einer Atherosklerose und ihren Folgekrankheiten wirksam vorzubeugen. Gemäss durchgeführter Studien scheint Knoblauch sogar bei
langfristiger Anwendung vorhandene Auflagerungen in den Gefässwänden der Arterien (sog. Plaques) reduzieren zu können, und zwar um ca. 20-30 Prozent im Falle sog. weicher Plaques und um 5-10 Prozent bei Vorliegen
von harten, d.h. kalkhaltigen Plaques. Weiterhin kann Knoblauch das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmen, zusätzlich als Radikalfänger möglicherweise zu einer Senkung des Darmkrebs-Risikos beitragen.
Diese Effekte erfordern langfristige Einnahmen in einer Dosierung von etwa 900 mg Wirksubstanz pro Tag. Diese Menge entspricht etwa einem Suppenteller voller Knoblauchzehen. Daher muss unter präventivmedizinischen
Aspekten auf einschlägige Medikamente zurückgegriffen werden, welche die pharmakologisch wirksamen Substanzen in ausreichender Menge enthalten.
Ginkgo
Präparate, die Extrakte von Ginkgo biloba-Blättern enthalten, senken ebenfalls die Blutviskosität, hemmen die Aktivität der Blutplättchen, verbessern folglich auch die Fliesseigenschaften des Blutes. Zusätzlich wird
die Flexibilität der roten Blutkörperchen gesteigert, eine unerwünschte vermehrte Durchlässigkeit der Blutkapillaren verringert und eine Neigung zur Engstellung der kleinen arteriellen Blutgefäße (Arteriolen)
reduziert.
Weiterhin wirkt Ginkgo auch als Radikalfänger (vgl. entsprechenden Abschnitt im Kapitel zur Ernährungstherapie) und beeinflusst Einschränkungen der Sexualfunktion (vgl. Kapitel über sexuelle Probleme).
Im Bereich des Hirns hemmt Ginkgo die altersbedingte Rückbildung von Zellrezeptoren. Patienten mit Hirnleistungsstörungen zeigen unter einer langfristigen medikamentösen Behandlung mit Ginkgo messbare Verbesserungen
des IQ und eine Steigerung ihrer Mobilität und Selbstständigkeit mit einer hieraus resultierenden Reduktion ihrer Pflegebedürftigkeit. Es existieren Studien, denen zufolge Ginkgo-Präparate Verbesserungen der
Hirnleistung erreichen lassen, die denen chemisch definierter antidementiell wirkender Präparate gleichen.
Ginkgo kann problemlos mit anderen Blutplättchenhemmern in üblicher Dosis kombiniert werden, ebenso mit Knoblauch und anderen Präparaten zur Verbesserung der Hirnleistung.
Aus den dargelegten Daten lässt sich folgern, dass Ginkgo ähnlich wie Knoblauch, bedarfsweise auch in Kombination mit Knoblauch, zur Vorbeugung der Atherosklerose und ihrer Komplikationen eingesetzt werden kann,
weiterhin auch zur Vorbeugung altersbedingter Störungen der Hirnfunktion und Sexualität.
Traubensilberkerze:
Wurzelextrakte der Traubensilberkerze können Wechseljahrsbeschwerden der Frau objektiv messbar verbessern, wenn einschlägige Bewertungsskalen (z.B. Menopausenindex mod. n. Kuppermann) zur Verlaufsdokumentation
eingesetzt werden (vgl. Kapitel über Hormontherapie). Diese Extrakte wirken nicht als Phytooestrogene und fördern nach derzeitigem Kenntnisstand keine gynäkologischen Tumore.
Mariendistel:
Die Mariendistel enthält als pharmakologisch wirksame Substanzen Silymarin und Silibinin. Diese Substanzen wirken als Radikalfänger, fördern die Produktion körpereigener Eiweisse in der Leber (Proteinsynthese),
stabilisieren die Zellmembranen und hemmen in den Zellen die Aufnahme von Toxinen. Diese Wirkungen sind vor allem im Bereich der Leber ausgeprägt. Daher sind die Substanzen bei chronischen Leberschäden, z.B. auf dem
Boden
chronischer Leberentzündungen einsetzbar, um den Verlauf solcher Leberleiden günstig zu beeinflussen. Gemäss vorliegender Studien verdoppeln Mariendistel-Präparate bei mehrjähriger Anwendung die Überlebensquote von Patienten mit Leberzirrhose. Auf Grund antioxidativer Wirkungen scheinen Mariendistel-Präparate auch hemmend auf die Entwicklung von bösartigen Tumoren zu wirken.
Weissdorn (Crataegus):
Extrakte aus Blättern und Blüten des Weissdorns verbessern experimentell und klinisch belegbar die Kontraktilität, d.h. Schlagkraft des Herzmuskels, reduzieren gleichzeitig den Sauerstoffverbrauch des Herzens und
wirken gefässerweiternd. Die Herzfrequenz (Pulszahl) bleibt unbeeinflusst. Im Unterschied zu sämtlichen sonstigen kontraktionsfördernden (positiv inotrop) wirkenden Präparaten (Digitalis, Phosphodiesterasehemmer,
Katecholamine, Calcium) wird bei diesen Präparaten die sog. Refraktärzeit nicht verkürzt, sondern verlängert. Dies bedingt eine günstige Wirkung auf die Entstehung von Herzrhythmusstörungen, die durch medikamentös
bedingte Refraktärzeitverkürzungen gefördert werden. Insofern sind Weissdornextrakte eine ernsthafte, ggf. auch bessere Alternative zu Digitalispräparaten.
Teufelskralle (Harpagophytum procumbens):
Extrakte aus den Knollen der Teufelskralle wirken gemäss durchgeführter Studien in ähnlicher Weise entzündungs- und schmerzhemmend wie moderne chemisch definierte Rheuma-Präparate, die sog. Cox-2-Hemmer; die
Nebenwirkungen liegen wesentlich niedriger, einzige Gegenanzeige sind Geschwüre des Magens und Zwölffingerdarms. Für Patienten, welche unter degenerativ bedingten Skeletterkrankungen mit chronischer Schmerzneigung
leiden, stellen diese Extrakte eine ernsthafte Alternative vor allem in der Langzeitbehandlung degenerativer Skelettbeschwerden dar, welche bei weniger Nebenwirkungen und höherer Therapiesicherheit zu einer nicht
selten wesentlichen und anhaltenden Verbesserung der Mobilität und Lebensqualität beitragen können.
Johanniskraut (Hypericum perforatum):
Extrakte aus Johanniskraut wirken antidepressiv und stimmungsstabilisierend. In vielen Fällen sind die Effekte denen chemisch definierter Antidepressiva vergleichbar, wobei
Nebenwirkungsquote und Verträglichkeit wesentlich günstiger liegen. Die Wirkung gerinnungshemmender Präparate vom Marcumar-Typ kann in Einzelfällen abgeschwächt werden, ebenfalls die Wirkung eines Medikamentes (Ciclosporin), welches in der Transplantationsmedizin zur Verhinderung von Abstossungsreaktionen eingesetzt wird. Dies ist im Einzelfall zu beachten. Ansonsten stellt Johanniskraut eine ernsthafte Alternative zu chemisch definierten Antidepressiva dar und bietet besonders bei längerfristiger Anwendung Vorteile im Hinblick auf Nebenwirkungsarmut und Verträglichkeit. Gerade bei altersabhängig entstehenden depressiven Verstimmungszuständen sollte daher vorzugsweise ein Behandlungsversuch mit diesen pflanzlichen Präparaten unternommen werden.
Baldrian und Hopfen:
Schlafstörungen lassen sich der Erfahrung nach in manchen Fällen durchaus mit pflanzlichen Präparaten auf der Basis von Baldrianwurzeln und Hopfen zufriedenstellend behandeln, zumal im Zusammenwirken mit anderen,
nicht medikamentösen Behandlungsansätzen. Im Unterschied zu vielen chemisch definierten Schlafmitteln besteht bei diesen Präparaten kein Abhängigkeitspotential.
Kava-Kava:
Extrakte aus Kava-Kava-Wurzelstock können bei nervösen Angst-, Spannungs- und Unruhezuständen zur psychischen Stabilisierung unterstützend eingesetzt werden, ehe zu stärker wirkenden, chemisch definierten
Beruhigungsmitteln mit Abhängigkeitspotential gegriffen wird. Endogene Depressionen stellen eine Gegenanzeige für diese Präparate dar.
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Prof. Dr. Piper, Meduna-Klinik, 56864 Bad Bertrich, Tel.: 02674 / 182 0, Fax: 02674 / 182
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